(Bilder, Bilder…)

von zophrenik

(17 12 11)

Bilder, Bilder – allzu sterblich,
Können sie nicht wirklich sagen:
„Wirklich ist hier wirklich wirklich.“
Lügen überall! Sie liegen
Ausgestreckt auf fauler Haut,
Vollgefressen und entleert
Schrein sie ohne Furcht und laut:
„Nichts ist hier die Wahrheit wert!“

Lust

von Esra Canpalat

Eine Höhle ist der Mund
Rau wie Sandpapier
Wie vertrocknete Seen
Staubiges Puzzle, entzwei

Eine Zunge lockt heraus
Bonbonfarben und fleischig
Wie ein toter Fisch
Vergärt, fast zerplatzend vor Fäulnis
Aufreizend
Haut wie die eines Kaktus‘

Regenbogenfarbene Lappen
Umbra-Schatten
Füße verzerrt
wie am Kreuze
Wunde Rosen
tragend
– Lächerlich

Das Rumstochern im Fleisch

von zophrenik

26 01 11

Am Anfang ist man ahnungslos,
man schlägt drauflos, hofft,
dieses Aufprallen sei die Wärme.
Nach einer Weile erscheint es sinnlos.
Außerdem ist die Stellung unangenehm.
Wortlos zwängt man sich
in andere Positionen.
So hat man’s gelernt im Internet, so
wird’s gemacht. So aber ist’s nicht.
Was mach ich nur falsch, was mach ich nur
falsch… Denken ist das Schlimmste.
Am Ende war alles hoffnungslos.
Das war’s? Mehr nicht?
Mehr nicht. Das war’s.

Unter der weißen Schneedecke

von Esra Canpalat

Unter der weißen Schneedecke begraben zu sein ist angenehm. Sie ist nicht schwer, sondern unglaublich leicht. Es ist gleich, wie sehr du deine Füße aneinander reibst: Sie werden nicht warm. In der grauen Morgenwonne liegst du nun starr da, nachdem du dich stundelang in deinem eigenen Saft suhlend gewendet hast, von links nach rechts, von rechts nach links. Jetzt starrst du die anthrazitfarbene Decke an und es ist, als würden Millionen von kleinen Ameisen vor deinem Gesicht krabbeln, so lange hast du deine Augen ohne zu Blinzeln aufgerissen. Neben dir kratzen deine widerspenstigen Haare deine Wangen und du denkst, dass du sie dir endlich abschneiden musst. Langsam stellen sich die Härchen auf deinen Armen hoch, deine Haut ist übersät von Pocken, deine Füße sind wie Eisblöcke, deine Nase läuft. Doch du liegst da, ohne dich zu bewegen. Schwerelos. Du machst keine Anstalten dich zu wärmen, denn die Kälte lässt dich alles spüren. Sogar die leblose Hülle drückt vehement auf dein Äußeres. Es ist, als würdest du gleich platzen, zerbrechen, vor lauter Empfindsamkeit. Plötzlich ein gelbes Aufleuchten. Die Müllabfuhr fährt vorbei. Tonnen knallen hart und erbarmungslos, Müll zerdeppert und spritzt und klatscht. Ein Kind rennt zur Schule. Der Tornister, den es nicht richtig zugemacht hat, klappert. Briefträger gehen von Haus zu Haus.

Kalt

von Esra Canpalat

Ich werde euch alle zerstören mit meinem Blick, brannte es in ihrem Kopf, während sie den endlosen Flur entlang ging. Hindernissen wich sie ohne zu zögern aus. Einen Studenten, der den Weg mit einem Bücherwagen versperrte, fauchte sie an. Mach doch noch langsamer! Die Bücher können sich ja schneller bewegen als du! Verpiss dich endlich! Verschreckt drückte er sich an die Wand und der Bücherwagen rollte mutterseelenallein den Gang weiter. Weiterlesen