Film without Film

von Glauconar Yue

Ich hab ein Skript für einen Kurzfilm geschrieben, in dem es um einen Kurzfilm von einem Mädchen geht, die einen Kurzfilm über einen Kurzfilm dreht. Am Anfang geht es vielleicht sogar noch um gar nichts. Der Film wird einfach losgedreht und die Regisseurin fragt sich erst hinter der laufenden Kamera, wieso sie es überhaupt macht, und was einen guten Kurzfilm ausmacht.
„Du brauchst Dialog und Handlung!“ ruft eine Stimme herein, ein Freund, der nicht im Film sein will, aber mindestens etwas Dialog reinbringt. Die Kamera irrt über die weißen Wände, damit der Sprechende doch nicht ins Bild kommt.
Dann fehlt nur noch die Handlung, damit der laufende Kurzfilm auch zu einem eigentlichen Kurzfilm wird, und passend klopft es an die Tür. Ein Gegner oder ein Problem wird definitiv eine Handlung mit sich bringen! Und der Freund geht ran, öffnet die Tür, und sieht dahinter wie er an die Tür geht und sie öffnet und dahinter sieht wie er an die Tür geht und sie öffnet und dahinter jemanden sieht der an… Ja und dann fragt er sich wohl wer überhaupt der Gegner sein soll, ob er selbst, oder seine Einbildungskraft, oder vielleicht die Einbildungskraft der filmenden Regisseurin.
Jetzt sieht man auf dem Film eine Brücke und darüber den nebligen Himmel wie eine weite, weise Leinwand. Hauptsache, denkt sie, sie hat jetzt eine Handlung, und kann endlich den Kurzfilm drehen, den sie gerade dreht, den sie schon seit langem drehen wollte. Sie wollte den Film drehen, seitdem sie ihren Freund damals auf der Brücke traf, so wie er jetzt da steht. Es war damals, dass sie ihre Berufung erkannte, und jetzt kann es endlich losgehen!
Sie nimmt seine Hand, doch er ist nicht wirklich da, wo man ihn sieht. Damals hatte er auch so viel Angst, nie gesehen zu werden, weil er nicht so aussah wie die Menschen in einem Kurzfilm. Dann ist er von der Brücke in den weißen Himmel gestürzt. Nur sie hat ihn gesehen. Deshalb dreht sie jetzt auch einen Kurzfilm, in dem er zu sehen ist, und vollbringt so die eigentliche Handlung des Films über den Film, den sie dreht.
Diesen Kurzfilm, für den ich damals schrieb, wird aber wohl doch keiner sehen, weil er nie gedreht wurde.

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